100 Tage an der Macht

„Irgendjemand“ habe damals im Herbst „das Konzept eines 100-Tage-Plans“ präsentiert, sagte der amerikanische Präsident in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP Ende vergangener Woche. Heute ist es für viele an der Ost-und Westküste der USA sogenanntes "fly over-territory" - eine Landmasse, die man nur überfliegt auf dem Weg von Metropole zu Metropole. Oktober in der geschichtsträchtigen Stadt Gettysburg im politisch umkämpften Bundesstaat Pennsylvania einen solchen Plan veröffentlichte und diesen seinerzeit gar als „Vertrag mit dem amerikanischen Wähler“ bezeichnete, unterschlug Donald Trump geflissentlich. Dass er es selbst war, der an jenem 22. Frei nach dem Motto: Der, der das alles damals gesagt hat? Das kann nicht ich, das muss jemand anders gewesen sein. Januar ans Werk, diese weitgehende Agenda umzusetzen. Einst war es das industrielle Herz des Landes. Vor allem an Trump-Wähler, die vorher Demokraten waren, wollen die Republikaner in Youngstown E-Mails über Trumps Erfolge schreiben, sie einladen zu Aktionen. Heute hat Trump mehr als 28 Millionen Follower, und seine Drohung hat er nie wahr gemacht.

Die Stadt gehört zum sogenannten Rustbelt, dem Rostgürtel im Mittleren Westen.

Es waren überraschend kleinlaute Worte für einen Mann, der seine Auftritte in der Regel dazu nutzt, um die eigene Wichtigkeit in den Mittelpunkt zu stellen. Seine Dekrete zum Einreisestopp für einige arabische und afrikanische Länder wurde umgehend von Bundesrichtern kassiert – und das gleich zwei Mal. Die Legislative Die Gesundheitsreform seines Vorgängers abzuschaffen gelang dem Präsidenten nicht. Den Abweichlern ging das Gesetz aber nicht weit genug. "Es ist ein großartiges Werkzeug, aber als Präsident werde ich es nicht mehr sehr häufig machen", ließ Trump seine damals gut sieben Millionen Follower in einem Interview wissen. Denn die Abgeordneten im Repräsentantenhaus folgten ihm nicht in ausreichender Zahl. Nach dem ersten Mal ließ Trump noch seinen Berater Stephen Miller poltern: wie kann es sein, dass Richter die Erlasse des gewählten Präsidenten für ungültig erklärten? Aber rasch wurde gelernt: es ist eben so. Per Twitter verteidigt Trump – meist am frühen Morgen – seine Agenda, gibt Statements zu außenpolitischen Themen, dort attackiert er seine politischen Gegner und setzt sie unter Druck. In einer Kombination aus andauerndem Wahlkampf und präsidentiellen Dekreten wollte der Präsident die USA umkrempeln. Die Plattform dient ihm als direkter Kommunikationskanal zu seinen Wählern, vorbei an Politik und Medien. Der Rostgürtel im Mittleren Westen Die vergangenen Jahrzehnte waren hart für das von der Stahlindustrie geprägte Youngstown. Für den zweiten Erlass hatte Trump das noch nicht ausreichend gelernt, inzwischen werden die Dekrete rechtssicherer gestaltet.

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